Manche Reisen vergisst man nach einigen Wochen so langsam. Andere bleiben nicht nur
in Fotos, sondern als Gefühl. Unsere Fahrt nach Taizé gehört definitiv zur zweiten
Kategorie.


Wer zum ersten Mal nach Taizé kommt merkt schnell: Hier läuft vieles anders. Rote
Becher, ausschließlich Löffel und wackelige Bänke ohne Lehne. Der Tag beginnt früh.
Noch etwas verschlafen geht es zum Morgengebet in die große Kirche, danach zum
Frühstück, bevor sich Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern auf dem Gelände
verteilen. Überall hört man verschiedene Sprachen, sieht fröhliche Gesichter und
begegnet Menschen, die sich gegenseitig anlächeln, obwohl sie sich gerade erst getroffen
haben.


Der Alltag in Taizé ist einfach, aber genau das macht seinen besonderen Reiz aus. Jeder
übernimmt eine kleine Aufgabe. Ob beim Spülen, Putzen oder Essen austeilen, jeder trägt
seinen Teil zur Gemeinschaft bei. Was zunächst nach einer gewöhnlichen Pflicht klingt,
wird schnell zu einem Moment, in dem man gemeinsam lacht, ins Gespräch kommt und
merkt, wie selbstverständlich Zusammenhalt entstehen kann.


Überhaupt ist die Gemeinschaft das eigentliche Herzstück von Taizé. Innerhalb weniger
Tage entstehen Freundschaften, als würde man sich schon seit Jahren kennen. Man sitzt
gemeinsam zusammen, spielt Karten, singt die bekannten Lieder des Klosters, von denen
man schon nach wenigen Tagen einen Ohrwurm hat, oder genießt die Sonne.
Zu dem Alltag gehört natürlich auch viel Humor und gute Laune, denn wer einmal
versucht hat mit müden Augen den Weg zum Frühstück zu finden, oder sich mit Händen
und Füßen auf Englisch, Französisch, Italienisch, Schwedisch oder anderen vertretenen
Sprachen zu verständigen, sammelt Erinnerungen, über die später alle gemeinsam lachen
können.


Ein ebenfalls sehr bedeutender Bestandteil des Tages sind die gemeinsamen Gebete mit
den Taizé Gesängen. Schnell spürt man die besondere Atmosphäre. Hunderte Menschen
sitzen zusammen in der Kirche und für einen Moment scheint die Welt etwas ruhiger zu
werden. Zwischen den Liedern entsteht eine Stille, die nicht unangenehm ist, sondern
wohltuend. Man kommt zur Ruhe, denkt nach oder genießt einfach den Ausblick.
Am Ende der Woche fällt der Abschied schwer. Nicht, weil das Essen besonders luxuriös
war oder weil man in einem Hotel gewohnt hat, ganz im Gegenteil. Sondern weil man
etwas erlebt hat, das sich nur schwer beschreiben lässt. Man nimmt Erinnerungen mit,
neue Freundschaften und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, in der jeder
willkommen ist. Und gerade diese Mischung aus Gemeinschaft, Einfachheit und Ruhe
macht Taizé so besonders. im Alltag bleibt oft wenig Zeit, wirklich anzukommen. In Taizé
scheint die Zeit dagegen langsamer zu vergehen. Das Handy rückt in den Hintergrund,
stattdessen werden Gespräche länger, Begegnungen intensiver und kleine Momente
plötzlich wertvoll.


Taizé ist deshalb nicht einfach nur ein Reiseziel. Es ist ein Ort, an dem Menschen
zusammenkommen, füreinander da sind und erleben, wie schön Gemeinschaft sein kann.
Wer einmal dort war, versteht, warum so viele sagen: man fährt nicht nur nach Taizé, man
nimmt ein Stück Taizé nach Hause.
Und für die nächste Fahrt an diesen wundervollen Ort, hier eine kleine Liste an Dingen,
die ich mit nach Taizé nehmen werde:

  • Campingstuhl (mit lehne!!!)
  • Messer und Gabel (es gibt nur Löffel)
  • Sonnencreme und einen Hut
  • Vielleicht doch einen Schlafsack (die Nächte können kalt sein)
  • Bargeld
  • Spiele wie Uno, Werwolf, Dobble
  • Picknickdecke

Matilda Kostenzer

Von zan